„Sich der Erinnerung stellen“: Stadt gedenkt Opfer des Holocaust
„Sich der Erinnerung stellen, das Wissen und die Verantwortung weitergeben und Sorge tragen, dass so etwas nie wieder geschehen kann“, so formulierte Oberbürgermeisterin Monika Müller den Auftrag an die gegenwärtige und die nachfolgenden Generationen anlässlich der Gedenkveranstaltung auf dem jüdischen Friedhof in Rastatt. Trotz widrigem Wetter waren rund 40 Personen der Einladung der Stadt Rastatt gefolgt, um am Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Auch Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde Baden-Baden, der christlichen Kirchen, der Zeugen Jehovas, des Gemeinderats, des Vereins Stolpersteine sowie der Lebenshilfe Rastatt/Murgtal e.V. nahmen an der Veranstaltung teil.
Dabei hatte Monika Müller in ihrer Ansprache nicht nur die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger im Blick, die den Gräueltaten der Nazis zum Opfer gefallen waren, sondern auch jene Menschen, die im Zeichen einer menschenverachtenden NS-Ideologie und eines mörderischen Rassenwahns ums Leben gekommen waren und deren Zahl bis heute nicht vollständig bekannt ist. Das waren in Rastatt vor allem Menschen mit psychischer Erkrankung. Rund 600 Patienten, die in der 1934 gegründeten psychiatrischen Pflegeanstalt Rastatt (Lützowerstraße 10) lebten, wurden 1939 unter Anstaltsleiter Arthur Schreck zunächst nach Zwiefalten verlegt, ein Jahr später erfolgte die Ermordung in der Tötungsanstalt Grafeneck. „Der Mantel des Vergessens darf sich niemals über Unrecht legen. Denn Verdrängung führt dazu, dass Traumata weitervererbt werden und nachfolgende Generationen weiter daran leiden – daher ist es unbedingt erforderlich, aktiv mit Erinnerungen umzugehen“, betonte Monika Müller. Sie machte mit Blick auf das aktuelle Weltgeschehen deutlich, wie fragil die Demokratie mittlerweile geworden sei. „Unsere Werte und unsere Freiheit gilt es unbedingt zu schützen. Dazu gehört auch die Erinnerung, die jetzt und heute im Alltag und in den Familien weitergegeben werden muss – das ist unsere Verantwortung.“ Im Anschluss an ihre Rede legte die OB einen Kranz am Gedenkstein nieder. Würdevoll musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Klarinettenensemble der Städtischen Musikschule Rastatt.

