Historie Badische Revolution in Rastatt

Von der lodernden Flamme der Revolution, die im Frühjahr 1848 so hellscheinend über die deutschsprachigen Lande geflackert war, glimmte im Sommer des folgenden Jahres nur noch ein schwacher Funke. Da verbrüderten sich Anfang Mai 1849 in Rastatt die regulären Truppen mit der Bevölkerung zum Schutz der Paulskirchenverfassung. Die Revolution hatte die Rastatter Garnison erfasst und war nicht mehr einzudämmen, die Bundesfestung war in der Hand der Demokraten. In Rastatt entschied sich im Sommer 1849 das Schicksal der Revolution in Deutschland.

20. März 1849

In Freiburg beginnt der Prozess gegen die Revolutionäre Gustav Struve und Karl Blind im Basler Hof vor einem Schwurgericht. Zur Haftverbüßung der verhängten acht Jahre Zuchthaus bringt man die Verurteilten in die Festung Rastatt.

9. Mai 1849

Im Zuge der Maiaufstände 1849, mit denen das Volk die Anerkennung der revolutionären Errungenschaften der Reichsverfassung in einzelnen Staaten des deutschen Bundes erzwingen will, meutern in der Bundesfestung Rastatt Soldaten der badischen Garnison. Sie verbrüdern sich mit Teilen der revolutionären Bürgerwehr feierlich unter „Beschwörung der Treue und Liebe zum Volk“.

9. und 10. Mai 1849

Soldaten und Bürger in Rastatt verbrüdern sich und bekunden in öffentlichen Reden ihre gemeinsame Zugehörigkeit zum Volk. Unter ihnen sind einige prominente Rastatter wie Schirm- und Kamm-Macher Franz Comlossi, Spediteur Carl Müller und Bürgermeister Ludwig Sallinger.

13. Mai 1849

Eine Volksversammlung in Offenburg beschließt ein 16-Punkte-Programm. Darin werden unter anderem die unbedingte Anerkennung der Reichsverfassung und die Bildung einer neuen Regierung unter dem liberalen Politiker Lorenz Brentano gefordert. Die amtierende großherzogliche Regierung lehnt die Forderungen der Offenburger Versammlung ab.

Am Abend fährt der revolutionäre Landesausschuss der Volksvereine nach Rastatt, wo Revolutionär Amand Goegg vom Balkon des Rathauses die Offenburger Beschlüsse verkündet und Brentano Bürgerwehr und Soldaten auf die Reichsverfassung vereidigt. 

Der badische Revolutionär Amand Goegg verkündet am 13. Mai 1849 aus einem Fenster des Rastatter Rathauses die Offenburger Beschlüsse

Noch in der gleichen Nacht vom 13. zum 14. Mai flieht Großherzog Leopold aus seiner Residenz in Karlsruhe ins Exil nach Koblenz.

Flucht der Offiziere am 13. Mai 1849

14. Mai 1849

Lorenz von Brentano vereidigt auf dem Rastatter Marktplatz Bürgerwehr und Soldaten auf die Reichsverfassung. Bürgermeister Sallinger wird zum Zivilkommissär ernannt.

Der Landesausschuss begibt sich nach Karlsruhe, um die Regierung zu übernehmen.

25. Juni 1849

Gefecht bei Durlach, bei dem Johann Philipp Beckers Volkswehr den Rückzug der Armee auf die Murglinie deckt. Die Revolutionsregierung flieht nach Freiburg im Breisgau und mit ihr Einheiten der Revolutionstruppen.

Der preußische Befehlshaber Moritz von Hirschfeld besetzt Karlsruhe.

Der bei ihrem Rückzug von den Revolutionären nicht freigelassene polnische Offizier und Revolutionär Theophil Mniewski wird später von einem badisch-preußischen Kriegsgericht zum Tode verurteilt und am 25. August in Rastatt erschossen.

25. Juni 1849

Unter der Führung von General Ludwik Mieroslawski trifft das Revolutionsheer mit 13.000 Mann in der Bundesfestung Rastatt ein, nachdem es von der preußischen Armee zum Rückzug gezwungen wurde. Die Versorgungslage in der etwa 7.300 Einwohner zählenden Stadt verschärft sich damit.

29./30. Juni 1849

Verlustreiche Gefechte an der Murg mit dem Gefecht in Gernsbach am 29. Juni. Ludwik Mierosławski ernennt Major Gustav Tiedemann aus dem Kreis um Gustav Struve zum Gouverneur der Festung Rastatt.

Gustav Tiedemann, der revolutionäre Gouverneur der Festung Rastatt

Die revolutionären Einheiten ziehen sich nach Südbaden zurück. Das Zweite preußische Korps unter Karl von der Groeben umzingelt Rastatt.

23. Juli 1849

Nach dreiwöchiger Einschließung kapitulieren die Revolutionäre vor dem preußischen General Karl von der Groeben. Die Revolution ist gescheitert. Gouverneur von Rastatt wird der preußische General Heinrich von Holleben.

Die Aufständischen übergeben die Festung Rastatt den Preußen. Vor dem Niederbühler Tor haben sich die preußischen Truppen um Prinz Wilhelm von Preußen formiert, der eine Lobrede an seine Truppen hält.

Die Besatzung der Festung rückt abteilungsweise aus dem Tor, legt schweigend die Waffen ab. Danach werden alle umgehend zurück in die Kasematten eskortiert und dort gefangengesetzt.

Rund 5.600 Offiziere, Mannschaft, Freischärler und Volkswehrmänner werden unter menschenunwürdigen Bedingungen nach der Übergabe der Festung in den Forts gefangengesetzt. Auch etwa 90 Rastatter, darunter Bürgermeister Sallinger, sitzen im Gefängnis ein.

Die Revolution gilt damit als gescheitert

Die badische Armee wird aufgelöst und später unter preußischer Führung neu aufgebaut.

Vielen Revolutionären gelingt die Flucht ins Exil. Andere werden verhaftet und vor die Standgerichte mit preußisch-badischer Besetzung gestellt.

Nach dem Fall Rastatts hat das preußische Kommando Karl Alois Fickler, den Bruder des badischen Agitators Joseph Fickler, mit der Verteidigung der Angeklagten beauftragt.

Die Standgerichte verurteilen 27 Revolutionäre zum Tode durch Erschießen (darunter den letzten Festungskommandanten von Rastatt, Gustav Tiedemann) und verhängen gegen andere lange Haftstrafen in preußischen Gefängnissen.